Wie schreibe ich (m)ein Buch? Meine Lebensgeschichte - sexueller Missbrauch und Inzest

Keine Ahnung wie Du das erlebte Grauen in verständlichen Worten festhalten kannst, es ist Dir aber wichtig?

Wie viel Wahrheit darf ausgesprochen werden?

Darf es so ausgesprochen werden wie es wirklich war oder sollte es nicht doch etwas abgemildert sein?

Es sollte zumutbar sein, aber zumutbar für wen?

Viele Fragen, die wohl jeder sich stellt wenn er überlegt oder die Anregung bekommt sein Schicksal schriftlich festzuhalten.

Wie also anfangen?

Hier möchten wir Euch Hilfestellung geben, wie Ihr es schafft mit Schwung und Leichtigkeit anzufangen.

Oder: darf es so ausgesprochen werden wie es wirklich war oder sollte es nicht doch etwas abgemildert sein?

Möchte ich das Buch für mich oder für jemanden anderes schreiben?

Was will ich erreichen?

Es soll ein Ventil dienen, als Aufarbeitung für sich, zum Loslassen oder eben auch zur Aufklärung und Hilfe für alle anderen, die dieses Schicksal teilen.

All diese Fragen können einen hindern anzufangen, bremsen die Intuition und das Gefühl für das Buch, seinen Inhalt und seine Botschaft aus.


Es heißt so schön, wer reden kann, kann auch schreiben... und so ist es auch!


Macht Euch frei von alten Schultraumen, die in Euch stecken, die Euch sagen, ich kann nicht schreiben. Oder: ich finde ja selbst beim Reden kaum Worte und dann noch über das Schrecklichste aller schrecklichen Dinge, die einem Menschen angetan werden können, das „Unaussprechliche“ schreiben? – Nein, das kann ich nicht!


Macht Euch frei von den Erwartungen anderer, aber auch von Euren eigenen. Schreibt aus Eurem Herzen und folgt der inneren Stimme. Gebt eurem Kopf frei, lasst die Mauern fallen und lasst Eurer inneren Stimme freien Lauf. Gebt Ihr den Raum, den sie braucht - Ihr habt so vieles zu sagen, so vieles was für viele andere wertvoll und wichtig ist. Denn dann wird Euer Text authentisch, lebendig und spürbar – spürbar für jeden, dem es ähnlich erging und der eine ähnliche innere Struktur hat.


Es gibt so viele Bücher und Texte über Missbrauch und sexualisierter Gewalt, so viele verschiedene wie es verschiedene Wahrnehmungs- und Erfahrungswelten gibt. Brecht das Schweigen um euretwillen und nehmt letztendlich diejenigen mit auf Eure Reise, die sich genau in Eurem Buch, in Euren Worten wiederfinden können.


Kürzlich fragte ich einen guten Freund, wie ich mit meinen Texten mehr erreichen kann, ob sie gut genug seien und ob ich sie auch mit genug Sensibilität und emotionaler Reichweite schreibe. Natürlich vergleicht man sich und schaut auf andere, denkt sie drücken sich viel besser aus und gerät schneller als einem lieb ist in die alte Gedankenwelt - und auch Missbrauchswelt - nicht gut genug zu sein, sich eventuell auch vom Stil ändern zu müssen bzw. sich auch erst einmal einen Stil zuzulegen.


Aber was wäre das für eine Welt, wenn alles gleich wäre und was hätte jeder einzelne von uns erreicht, wenn er sich nach dem harten und beschwerlichen Weg aus dem Missbrauch heraus sich nun im Schreiben seiner Lebens- und Leidensgeschichte wieder anpasst?

Sich erneut einen Maulkorb verpassen zu lassen und in Zweifel zu verfallen?

Nein, auf gar keinen Fall oder was meint Ihr?


„Du bist wie du bist und nur so kannst Du Dich authentisch weiterentwickeln, besser werden und Deine Ziele erreichen!“, war die Botschaft meines Freundes, "alles andere wird Dich früher oder später unglücklich machen und Du hast nichts erreicht."

Recht hat er und ich habe ein gutes Gefühl, was ich heute an dieser Stelle hier weitergeben möchte.


Traut Euch, und wenn es auch „nur“ für Euch selbst ist, Euer Leben aufzuschreiben und das am Besten in allen Facetten Eurer Gefühlswelt, genauso wie Ihr es empfunden habt. Es ist Eurer SeelenSchatz!

Es ist ein wahnsinnig erleichterndes Gefühl und zeigt einem selbst mehr als deutlich wie viel jeder einzelne von uns schon hinter sich hat, wie stark und willensstark wir doch trotz allem sind und nie wirklich aufgegeben haben.

Wir „nur“ gezwungen wurden uns weiterhin als Opfer zu fühlen und uns danach zu verhalten gefangen in Angst und Schrecken vor dem nächsten Übergriff, der nächsten Vergewaltigung und der nächsten Qual.


Jeder hat so vieles erlebt worüber seitens der Täter, die nicht selten aus der eigenen Familie stammen, am Besten für immer geschwiegen werden sollte.


Aber wollen wir das zulassen?

Gerade jetzt wo gesellschaftlich auch so vieles in Bewegung ist und endlich auch etwas mehr aufgerüttelt wird?

Haben wir nicht auch eine Aufgabe, als diejenigen, die es erlebt haben, eine Verantwortung zur Aufklärung und des Vorangehens, uns und dem Rest der Welt zu zeigen, dass wir das was die Welt sich noch nicht mal durchzulesen und anzuhören traut durchlebt und überlebt haben?

Dass die Gesellschaft diejenige ist, die schwach ist und nicht wir?

Dass wir ein Recht auf den schritt in die Öffentlichkeit, jeder auf Seine Weise, haben?

Wir nicht mehr ausgegrenzt werden, um weiterhin Wegsehen zu können und uns in der Minderheit zu belassen, die es noch nicht mal gibt und Täter schützt?


Wir müssen aufstehen und mehr für uns und diejenigen tun, die selbst noch nicht stark genug sind, die noch in ihrem Leid und den immer und immer wieder kehrenden Vergewaltigungen, Demütigungen und Folterungen leben müssen.

Es ist an der Zeit!



Fangt einfach locker an.

Nehmt Euch ein Tagebuch und schreibt jeden Tag hinein, was Euch bewegt, was Ihr erinnert und die Erlebnisse dazu als Gedächtnisprotokolle.

Beschreibt wie Ihr Euch heute fühlt. Bringt es in Verbindung mit der Erfahrung von früher und zieht den Zusammenhang zum Trauma.

Dass es einen Zwiespalt und ein Unverständnis der eigenen Gefühlswelt zwischen dem Gestern und Heute gibt ist für uns völlig normal und klärt sich durch das Schreiben immer mehr in einem auf.

In jedem Tag werden die Folgen des zumeist jahre- und jahrzehntelang erlebten sexuellen Missbrauchs mehr als deutlich sichtbar und durch diese Art von Aufzeichnungen habt Ihr die Möglichkeit Selbstreflexion zu betreiben, mit dem Effekt zu sehen wie sich das Vergangene mit dem Heute mischt.

Daraus wird Dir bewusster, dass Du heute schon erwachsen bist und heute ganz anders reagieren kannst, wenn Du es übst mit der geeigneten professionellen Hilfe.


All das jeden Tag aufzuschreiben oder einmal die Woche und selbst wenn es einmal im Monat ist, wird Dir zeigen, dass Dein Buch schneller fertig als Du denkst.

Und selbst ohne Veröffentlichung: Du gewinnst auf ganzer Linie!


Denn Du siehst Dich in einem anderen Licht und erkennst Deine Stärke.

Ja, auch in den düsteren Geschichten und Gedanken, liegt Stärke und Erkenntnis - erlaube Dir keine Filter.


Missbrauch, Inzest und Gewalt können nicht schön sein, sind nicht mit Blümchen und Parfüm zu überdecken – Grauen bleibt Grauen – aber aufgeschriebenes, ausgesprochenes Grauen verbleibt nicht in Dir und kann Dich nicht weiter krank machen, sondern wird Dich stark machen.

Denn Wissen ist Macht und Du zeigst jedem Täter der Welt wozu er nicht im Stande war – Dich zu brechen und Dein Leben zurück zu Dir zu finden!


Gerne könnt Ihr Euch bei uns im Forum auf der El Faro – Homepage hierzu austauschen und wir geben gerne Hilfestellungen zu Euren Texten und Fragen, wenn Ihr möchtet. Einige von uns sind ebenso auf diesem Weg und so können wir ihn gemeinsam gehen. Ebenso hättet Ihr auch bei uns im Verlag die Möglichkeit der Veröffentlichung, solltet Ihr, mutig wie Ihr seid, den Schritt für Euch wählen wollen.

Also ran an Stift und Papier oder an die Tasten vom PC.


Schreibt Euren Seelenschmerz auf,

um Eure Herzen zu befreien!

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Verein zur Hilfe und Unterstützung von Opfern sexuellen Missbrauchs & Gewalt, "El Faro", e.V.

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