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Sexueller Missbrauch - Verdrängung - ja zum Leben und Erdbeermarmelade!

Viele von uns, die wir Missbrauch und Gewalt in unserer Kindheit und in unserer Geburtsfamilie erfahren haben neigen dazu, alles, was mit unserer Kindheit und Familie zu tun hat, rigoros abzulehnen.


Das ist normal und Teil des Prozesses, sich von dem und denen zu distanzieren, das einen zerstört und in vielen Fällen an den Rand der seelischen und körperlichen Möglichkeiten gebracht hat.

Wir denken vielleicht an den Erdbeerkuchen am Sonntagnachmittag, der Kaffeetisch perfekt gedeckt mit bunten Servietten, Blumen und Omas Porzellan… und uns wird schlecht, wir werden aggressiv und rebellieren ob der Scheinheiligkeit dieser Momente.


Denn viele von uns haben am Abend zuvor die schlimmsten Momente ihres Lebens erfahren: Missbrauch durch den Bruder, Vergewaltigung durch den Vater, Alleingelassensein von der Mutter… die Kinderseele fühlte sich benutzt, beschmutzt, verraten, verkauft, in den Dreck getreten und dort liegen gelassen.


Selbst wenn der Dreck unter der Dusche mit Rosenschampoo abgewaschen wurde, blieb das Gefühl. Es blieb am Frühstückstisch mit den duftenden Brötchen, es blieb den ganzen Tag und wurde von allen Beteiligten verdrängt… wir waren alleine mit der seelischen Last, die uns in die Knie zwang, erstickte und nicht selten verzweifeln ließ. Einige zerbrachen sogar unter ihr…


Und andere verdrängten sie irgendwann, einfach deshalb, weil sie zu schwer war, alleine getragen und ausgehalten zu werden.


Auf der einen Seite war der schöne Kaffeetisch ein Halt, ein Stück Normalität, ein Stück Harmonie und Positives… und auf der anderen Seite war er der blanke Hohn, eine schallende Ohrfeige in unser Gesicht, ein dünnes Pflaster auf einer tiefen, weitaufgerissenen Seelenwunde… und auch eine Schicht feinster Puderzucker auf einem Haufen "Scheiße".


Wir begannen, diese „schöne heile Welt“ abzulehnen, weil das, was sich darunter verbargt, von allen Beteiligten abgelehnt wurde. Wir rebellierten, indem wir ihnen die „schöne heile Welt“ verdarben weil unsere schöne heile Innenwelt zuvor von ihnen zerstört worden war… Wir wollten es anders machen, wir wollten gesehen werden, wir wollten eine wahre schöne Welt, ohne Missbrauch, ohne Verdrängung, ohne Scheinheiligkeit!


Und so gingen die Jahre dahin… Wir begannen, alles das auszusprechen, was uns verletzte und bedrückte, wir begannen, es aufzuschreiben, uns mitzuteilen… diese verletzenden Gefühle aus uns heraus zu bekommen, die verletzten Gefühle zu heilen und zu transformieren.


Wir begannen den Weg der Heilung…

Und irgendwann auf diesem Weg begegnete uns der Wunsch nach Harmonie, nach Zuhause, nach Geborgenheit, nach Schönheit, nach Frieden… Nach echter Harmonie, echtem Zuhause, nach echter Geborgenheit OHNE verdrängen zu müssen, nach wahrem Frieden ohne einen Preis dafür zahlen zu müssen…


Doch wie etwas leben, was einem oft nur verlogen und einseitig vorgelebt wurde? Wie sich etwas Positivem wie einem Erdbeerkuchen öffnen, der so negativ belastet ist? Wie sich wieder öffnen, ohne sich selbst als Verräter zu empfinden?


Menschen, die Betroffene sind von sexuellem Missbrauch in der Familie kennen solche Konfliktsituationen nur zu gut… viele andere, die meisten anderen, schütteln ob solcher Überlegungen und Gefühle oft nur erstaunt den Kopf. Und das führt bei uns Betroffenen erst recht zu dem Gefühl von Anders-sein, Seltsam-sein…


Denn das sind wir bedingt durch unsere Erfahrung und gleichzeitig wiederum nicht, einfach deshalb, weil wir so viele sind…


Jedes 3. Mädchen und jeder 5. Junge erleben sexuellen Missbrauch in Deutschland.