Resignation vs. Lebensfreude - für unsere Zukunft, für unser Leben!


Menschen, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt in ihrer Kindheit wurden, haben, bedingt durch ihre Erlebnisse, es oft gelernt, sich in Resignation zu flüchten.

Resignation macht dann einen Sinn, wenn man bereits alles gegeben hat, wenn jeder Kampf zwecklos war und man am Ende seiner Kraft nur noch irgendwie überleben will, durchhalten will... in der Hoffnung, dass sich die Dinge irgendwann in einer fernen Zukunft vielleicht doch noch einmal ändern werden.

Resignation hat, wie alles in der Psychologie, verschiedene Stufen und Grade.

Das geht von einem vorübergehenden Gefühl bis hin zur kompletten Aufgabe seiner selbst, seiner Wünsche, Träume und Ziele. Viele Betroffene berichten davon, in ihrer Kindheit irgendwann an den Punkt gekommen zu sein, wo sie sich der Last der auf sie einstürzenden Ereignisse nicht mehr erwehren konnten und einfach aufgaben. Sich fügten. Resignierten... Vielleicht ändert sich ja irgendwann noch einmal etwas...


Selbst Menschen, die ihr Trauma erfolgreich aufarbeiten konnten und nach oft jahrelanger Therapie wieder im Leben stehen, werden oft noch von dem Gespenst der Resignation heimgesucht.


Besonders wenn es darum geht, sein Leben weiter zu verändern, hin zu mehr Lebensfreude, Selbstausdruck, Fülle und Freiheit, schleicht sich das Gift der Resignation wieder ein, wenn wiederholte Schwierigkeiten bei der Umsetzung auftauchen und Kampfesgeist angesagt wäre.


Gerade wenn sich Muster wiederholen, einfach deshalb, weil sie schon so viele Jahre bestanden haben, ist die Bereitschaft zu resignieren besonders hoch. Außenstehende stehen oft ungläubig daneben, wenn sie mit ansehen, wie Betroffene kurz vor dem Beginn des Neuen resigniert das Handtuch schmeißen und nicht in der Lage sind, den bevorstehenden Durchbruch zu sehen.


Hier kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel: die Angst vor dem Neuen, das potentiell immer auch Gefahr mit sich bringen kann und von verletzten Menschen weitaus häufiger als Gefahr wahrgenommen wird als von solchen, die ohne Trauma ihre Kindheit und Jugend erleben konnten. In der Psyche dieser Menschen regiert das sogenannte „survival-conciousness“ – ein Bewusstsein, dass ganz auf Überleben ausgerichtet ist (survival= Überleben, conciousness = Bewusstsein).


Dieses Bewusstsein, was in der Kindheit und Jugend dieser Betroffenen durchaus Sinn machte, ist genau im „normalen“ Leben jenseits permanenter traumatischer Erfahrungen jedoch geradezu lebensfeindlich. Das Spektrum der Gefühle, Gedanken und auch Taten bleibt beschränkt auf das reine Überleben - besonders auch das emotionale Überleben, die Sicherung des eigenen Ichs, das oft noch das Kindheits-Ich ist, das im Körper des Erwachsenen lebt. Jeder Ausdruck von Leben, der außerhalb der gesicherten Überlebenszone ist, ist gefährlich.


So werden Gefühle und Seinszustände wie Leichtigkeit, Freiheit, finanzielle und emotionale Fülle, Liebe, Expansion, Erfolg, Freundschaften, Partnerschaften und ein befreiter Selbstausdruck vehement bekämpft, obwohl es doch gerade diese Dinge sind, nach denen sich die Betroffenen aus tiefstem Herzen sehen. Ein Paradox, an dem viele verzweifeln. Zwei Seelen wohnen in dieser Brust, um es mit Goethe zu sagen, zwei sich grundverschiedene Haltungen gegenüber dem Leben: die eine offen, die andere verschlossen. Die eine lebensbejahend, die andere lebensfeindlich.


Wie kann man diesen Zustand in sich verändern und „survival-conciousness“ in „thrival-conciousness transformieren, in ein Bewusstsein von Wachstum, innerer Offenheit, Vertrauen ins Leben, Vertrauen in die eigene Kraft?

Der erste Schritt einer jeden Veränderung beginnt mit Sehen und Akzeptieren dessen, was ist. Von diesem Punkt und oft Tiefpunkt aus weiß man ganz genau, was man nicht will: nämlich alles das, wo man sich gerade emotional befindet! An diesem Punkt kann man sich neu ausrichten. Und wenn jetzt nicht gleich die Resignation ins Spiel kommt ;), kann man durch seine Sehnsucht all das spüren, was bereits an Neuem und Positiven in einem veranlagt ist. Wer das in solch einer Situation nicht vermag, kann sich über den Geist und Verstand diese Information geben, so lange und so oft, bis sie Teil des Gefühlslebens und Normalität wird. Wenn wir uns vor Augen führen, dass das „Normal“ der Vergangenheit nicht die Norm ist und für uns definieren und erkennen, was wirklich als Gefühl von Normalität ins uns ruht, gehen wir damit weitere Schritte in Richtung Veränderung.


Dabei geht es nicht so sehr darum, irgendeine Idee vom Kopf aus zu kreieren, sondern vielmehr in sich hinein zu spüren, hinter das Gefühl von Trauma und Verletzung, dorthin, wo unsere Seele, unser Inneres unberührt von allem Erlebten ruht. Hier erkennen und erleben wir, dass es unser Geburtsrecht ist, frei zu sein, dass es unsere Essenz Fülle ist, dass Lebensfreude, Stärke und Offenheit unsere wahre Natur sind und unsere lebensfeindliche Haltung aus dem Trauma, nicht aber aus unserem Inneren entstand (selbst wenn sich das oft genauso anfühlt).


Es geht darum, sich sowohl gedanklich als auch gefühlsmäßig an das zu erinnern, was wir wirklich sind und was unser Recht in diesem Leben ist.

Es ist das Grundgefühl in uns, das eins mit dem Leben ist. Der Teil in uns, der eben nicht resignierte und aufgab und Träume in eine ferne Zukunft schob, sondern der um das kämpft, was sein Grundrecht ist, wie die Luft zum Atmen. Jeder Mensch trägt dieses Prinzip von Leben und Freiheit in sich und genau deshalb gehen wir mit ihm in Resonanz und sehnen uns danach.


Wenn wir aufhören, diese Sehnsucht in uns abzutöten, um nicht den Schmerz über den Verlust spüren zu müssen, sondern das Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht unserer Kindheit zulassen, erkennen wir, dass Resignation ein Gespenst aus der Vergangenheit ist und auch genau dort hingehört.


Was dann zutage tritt ist das Gefühl von Freude am Wachstum, Freude an der Veränderung und Freude am Leben, das unsere Essenz und unsere Seele ausmacht und immer mehr Raum in unserem Leben und Bewusstsein einnehmen wird.

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Verein zur Hilfe und Unterstützung von Opfern sexuellen Missbrauchs und Gewalt e.V., "El Faro"

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