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Orgasmusblock

Wie traumbedingte sexuelle Störungen zur Gefahr werden können und welche Rolle die eigene selbstbestimmte Sexualität in der Aufarbeitung spielt



Sexualität ist das schlimmste Thema für Betroffene überhaupt und genau das macht sie auch so gefährlich in die Reinszenierung zu geraten und gibt TäterInnen und Trittbrettfahrern eine Macht über ihre Opfer, die sie niemals haben dürften.


Sexualität ist die Kraft des Lebens. Mit ihr können wir neues Leben erschaffen und unser Leben gestalten, uns weiterentwickeln und in ihr liegt die Willensstärke, Hoffnung, Liebe und Durchsetzungskraft für all unsere Ziele und Herausforderungen. Wird ein Mensch im Entwicklungsalter Opfer von sexualisierter Gewalt und dies dann in der Regel vom Nahfeld, der eigenen Familie, wird diese schwerste Form der Traumatisierung massive Auswirkungen haben.


Da ein Kind noch nicht das Lustempfinden haben kann, was erst durch die Sexualhormone möglich ist, begreift ein Heranwachsender erst zum Zeitpunkt der Pubertät was der Täter oder die Täterin von ihm gewollt hat. Hier finden wir den Kernpunkt für die Schuld- und Schamgefühle, sowie für die innere Aufgabe, die einen Betroffenen sein Leben lang begleiten und hindern sich selbst zu leben, da durch das Aufkommen der eigenen sexuellen Gefühle, die zuvor getätigte Manipulation des Täters / der Täterin: "Schau, Du willst es doch so!" uvm. in der traumatisierten Psyche des Teenagers auf Nährboden fällt.

Findet nun über diesen sensiblen Zeitraum, der neben dem Entdecken des Körpers, der ersten großen Liebe, auch für die innere Rebellion und Abnabelung zu den Eltern steht und den Ausblick in das eigene selbstbestimmte Leben geben soll, weiterhin sexualisierte Gewalt statt, nimmt dies dem Menschen die Chance eine eigene Sexualität und den Zugang zu seiner vollen Lebenskraft zu entwickeln. Dies ist der Supergau im Bereich des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Familie, des Nahfeldes. Denn nun hat der TäterIn die totale Macht über sein Opfer und zwingt ihm seine pervertierte Sexualität auf. Im Opfer findet eine innere Aufgabe statt, gerade auch dann, wenn der TäterIn sein Opfer zur körperlichen Reaktion des Orgasmus treibt. Ein betroffener Mensch zieht sich in diesem Moment in die tiefsten Tiefen seines Unterbewusstseins zurück, um zu überleben und wird er alles nur eines nicht tun: das Gefühl des Orgasmus innerlich zuzulassen. Dies ist der Orgasmusblock, der zwangsläufig entsteht und der Mensch fühlt sich von seinem Körper zutiefst verraten, was selbstverständlich vom TäterIn als Bestätigung gesehen und ausgenutzt wird. Auffällig in der Praxis ist, dass aufgrund dieser Entwicklungsphase Betroffene in der Zeit des Teenagers die dunkelsten und härtesten Zeiten in ihrem Leben abgespeichert haben und es entscheidende Wendepunkte, als auch Einbrüche gab ohne dass der bewusste Bezug zur Ursache benannt wird. Je nachdem wie geschädigt die Psyche des Betroffenen in dieser Phase ist und wie sich das Drama ausweitet, wird die sich immer wieder erneuernde Sexualität, die ein Trieb wie Essen und Trinken ist, vom TäterIn in seine / ihre Richtung gelenkt, so dass dem Opfer nicht selten nur dies eine pervertierte und fatale Ventil gelassen wird. Solange bis der Mensch den Täterkontakt abbrechen kann und hoffentlich noch die Kraft findet, diese fatale Manipulation in sich aufzulösen und wieder umzukehren. Der TäterIn bindet auf diese Weise sein Opfer an sich und es entstehen Abhängigkeiten bis Hörigkeiten, die natürlich zumeist nicht bewusst zugelassen werden und unbewusst - verdrängt also - abgelebt werden und ein zwanghaftes Verhalten aufweisen können worunter der Mensch entsprechend leidet. Sollte der Kontakt zum ursprünglichen TäterIn nicht mehr bestehen, läuft das Opfer bis zur Auflösung und der Bewusstwerdung der Ursache, Gefahr das Drama durch Trittbrettfahrer unfreiwillig zu reinszenieren, da es der Tiebbefriedigung nicht selbstbestimmt nachkommen kann und die fremdbestimmte Sexualität natürlich nicht die sexuelle Entspannung ermöglicht, die ein Mensch benötigt, um die Erleichterung zu finden und in der Lage zu sein eine bewusste Trennung zum Trauma herzustellen, um so den Teufelskreis zu durchbrechen. Viele Betroffene finden natürlich eine Vielfalt an Kompensationsmöglichkeiten, um den sich immer wieder aufbauenden sexuellen Gefühlen Herr zu werden. Dies zeigt sich beispielsweise in Form von Essstörungen, Süchten, Übersexualisierung oder auch Frigidität, sowie in psychosomatisch bedingten, schweren Erkrankungen oder anderen Strategien, um die fremdgesteuerten Gefühle zu unterdrücken und zu verdecken. Denn werden diese Gefühle zugelassen, ist es nicht selten der Fall, dass sich Vergewaltigungsphantasien zeigen und damit das befremdliche Gefühl, man wolle es tatsächlich so. Auch das Gefühl des Verrücktseins taucht an dieser Stelle oft auf und/oder wird direkt wieder verdrängt. Jedoch ist ein Zugang zur eigenen Sexualität und Unabhängigkeit versperrt, solange die vergangenen, pervertierten und traumatischen Gefühle darüber liegen. Sexualität ist mit Angst, mit Todesangst verknüpft und daher auch ein Druckmittel der TäterInnen ihr Opfer gefügig zu machen, zu halten und sich relativ sicher zu sein, dass es verdrängen wird, werden diese Gefühle, die das Opfer fataler Weise für die eigenen hält, geweckt. Da wir hier über einen Trieb sprechen hat jeder Mensch das Bedürfnis nach Sexualität und ein Trieb ist nicht wirklich zu verdrängen und wird sich zwangsläufig einen Weg zur Befriedigung suchen - ob bewusst oder unbewusst. Der unbewusste Weg bedeutet Leid, Krankheit, Reinszenierung und im schlimmsten Fall schrecklichste Übergriffe der TäterInnen, denen man vielleicht im letzten Moment durch Schutz entkommen zu sein glaubte. Die Folgen sind dramatisch und bedeuten für verfolgte und bedrohte Opfer nicht selten den psychischen Tod und liefern den TäterInnen den Garant, dass ihr Opfer auf Lebenszeit schweigt bzw. für unglaubwürdig gehalten wird. Ebenso bewirkt der unbewusste Weg, dass Betroffene im Zustand der Dissoziation selbst wieder Kontakt zu denen aufnehmen, vor denen sie geflohen sind und die sie am meisten fürchten. Daher und aus Gründen wieder Zugang zu seiner eigenen Lebenskraft zu haben, da man nicht mehr seine ganze Energie in die Verdrängung stecken muss, ist es von elementarer Bedeutung als sexuell missbrauchter Mensch seine eigene, selbstbestimmte Sexualität - und damit die Macht über sich selbst - wiederzufinden.

2 Comments


El Faro Berlin
El Faro Berlin
Nov 18, 2020

Liebe Fuchur, Erst einmal vielen Dank für den Mut das so offen zu teilen! Was Du da beschreibst, kennen sicherlich viele, auch die Schuldgefühle, die ein bitterer, fieser Nachgeschmack des Erlebten sind. In der Zeit, wo man als Kind oder Jugendliche noch mitten in dem Kampf um das eigene Überleben war, konnte man nicht aus seiner eigenen Mitte heraus entscheiden und hat instinktiv versucht diesen Druck und die Lasten loszuwerden. Man wurde Opfer der Gefühlsmechanismen, denen man sich nicht entziehen konnte und die in einem angelegt wurden. Man „durfte“ keine eigenen Bedürfnisse zu der Sexualität äußern oder gar Leben, wie Du es so treffend beschreibst, wurde man darauf konditioniert für die „Befriedigung“ des Täters das Mittel zum Zweck zu sein. Man kannte…

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fuchur
fuchur
Nov 14, 2020

Ihr Lieben endlich bin ich wieder da.

Diesen Block möchte ich gern für Euch : wieder aus meiner persönlichen Sicht : Bericht erstatten. Ich nehme leider dafür keine Gewähr, weil ich selbst viel erlebt habe und wirklich glücklich bin, dass es Euch bzw. UNS gibt. Ein Licht mit polarisiertem Hoffnungsschimmer der auf uns alle scheint. Wir haben Ihn erkannt. Es ist unser Leuchtturm. Ein Hoch auf El Faro!😍👍


Fuchur heißt mein Klepper Aerius - Expedition - Paddelboot. Ich paddle also virtuell auf dem Meer in Sturm und Sturmesflut. Die Wellen waren bei mir in letzter Zeit sehr hoch und innerlich unruhig. Die See peitschte mir die Gischt ins Gesicht, so dass ich selbst mein Nebelhorn verlor. Aber ich bin wieder…


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