Kindliche Amnesie und Verdrängung im Erwachsenenalter


Kindliche Amnesie - das kindliche Vergessen, ist ein Begriff, geprägt von Sigmund Freud, der das Phänomen beschreibt, dass man sich im Erwachsenenalter an bestimmte Erlebnisse in seiner Kindheit nicht erinnern kann.

Besonders oft dann nicht, wenn diese traumatischer Natur waren.


Betroffene schildern diesen Zustand als eine Art Leere, ein Loch in ihrem Gedächtnis. Oft können sie sich erst durch Schlüsselerlebnisse im Erwachsenenalter, eine Therpie oder Schicksalsschläge wieder an das Erlebte erinnern.


Das Bild, was sie von ihrem Leben haben, gleicht einem Puzzle, in dem einige Teile fehlen, das jedoch irgendwie doch noch ein Bild abgibt.

Das Gehirn, so sagt die Psychologie, soll durch die kindliche Amnesie vor Überlastung geschützt werden die traumatische Erlebnisse nun einmal darstellen.

Ähnlich einer Sicherung, die bei einem Kurzschluss raus springt, um das System zu schützen, setzt auch die Amnesie und Verdrängung ein, um das System Mensch und Psyche zu schützen.

So funktioniert man ersteinmal weiter, trotz schlimmster Umstände, denn oft wird nur so das Überleben gesichert.


Die Gefühle zu dem Erlebten werden abgespalten, die Bilder dazu weggedrängt - verdrängt - und das Erlebte weggepackt in das Unterbewusstsein, wo es ein abgespaltenes Dasein führt, dem Betroffenen aber dadurch erlaubt, weiter zu funktionieren.


So ist der Verdrängungsmechanismus in einer akuten Situation in sofern gut, als dass er den Betroffenen schützt.

Langfristig schadet er allerdings, da die traumatischen Erlebnisse weiter im Unbewussten ihr Dasein fristen und von dort aus, ähnlich wie eine Leiche im Keller, den Menschen vergiften, ihn krank machen und diffuse Ängste hervorrufen.


Die Gefühle brechen auf, ohne dass sie gleich einem Erlebnis zugeordnet werden können, denn die Bilder dazu fehlen.


Bei Menschen, die als Kind Opfer von traumtischen Erlebnissen wurden und diese noch nicht aufarbeiten konnten, besteht die Gefahr, dass sie in einer ähnlichen Situation wie in der Kindheit auch als Erwachsene noch ähnlich wie damals reagieren: mit Verdrängung.


Es scheint, als ob das Gehirn, obgleich der Mensch als Erwachsener in einer gänzlich anderen Sitaution ist, ähnliche Erlebnisse in die gleiche Schublade packt und zuordnet - in die des Unterbewusstseins und der Verdrängung.


Es ist gewissermaßen wie ein antrainierter Mechanismus, der immer dann anspringt, wenn man meint, das Erlebte nicht ertragen zu können.

So passiert es z.B. Erwachsenen, die Opfer von Gewalt werden, z.B. eine Vergewaltigung erleben, dass sie diese zunächst verdrängen, wie im Reflex, erst einmal weiter funktionieren, sich danach duschen, zur Arbeit gehen und das Erlebnis weit von sich weg schieben.


Es ist ein Schutzmechanismus, der allerdings in der Situation des Erwachsenen, der sich Hilfe holen könnte, mehr schadet als schützt.


Die Angst, sich mit dem Erlebten zu konfrontieren, ist zu groß, begegnet man ihm doch aus der Perspektive des Kindes, das sich damals nicht wehren und Gehöre verschaffen konnte.


Eine Schockstarre tritt ein, eine innere Lähmung, die sich erst dann aufhebt, wenn der Betroffene sich sicher genug fühlt, sich zu öffnen.

Oft sind dann jedoch bereits jegliche Beweise zerstört, denn nicht selten vergehen Tage, ja sogar Monate und Jahre, bevor man sich traut, sich zu dem Erlebten zu äußern und die Kraft hat, es zu ertragen.


Es gibt das nicht seltene Beispiel einer Frau, die übersät mit blauen Flecken auf diese angesprochen sich nicht erinnern konnte, woher diese kamen und erst mit viel Vertrauen und in einem geschützten Rahmen viel später den Mut aufbrachte, sich ihrer Erinnerung zu stellen und das Erlebte zuzulassen und darüber zu sprechen.


Wer um diesen Umstand weiß und selber Betroffen von Missbrauch und traumatischen Kindheitserfahrungen ist, kann bewusster mit sich und anderen umgehen.


Über Gesprächstherapien lässt sich ein sicherer Rahmen aufbauen, in dem man sich öffnen und die Erinnerungen zulassen kann.

Dies sollte behutsam und Schritt für Schritt erfolgen, denn nicht ohne Grund verdrängten Betroffene diese Bewusstseinsinhalte oft über Jahre - einfach deshalb, weil sie sie nicht auszuhalten meinten.


So muss darauf geachtet werden, dass in diesem Erinnerungsprozess keine Überforderung eintritt, die zu einer inneren Sperre und Blockade führen würde!


Das Thema der infantilen Amnesie und Verdrängung geht tief und hat weite Zweige, denn die verdrängten Erlebnisse und die dazugehörigen Gefühle wirken als Energie und Potential in dem Menschen und dessen Unterbewusstsein weiter.


Oft kommt es zu Zwangshandlungen, deren Ursprung Betroffene sich nicht erklären können, zu scheinbar grundlosen Ängsten und Phobien oder aber zu psychosomatischen Beschwerden, Krankheiten, ohne organischen Befund, deren Ursachen in tiefgreifendem psychischem Stress zu finden sind.


Wir als Verein betreiben Aufklärungsarbeit zu diesem Thema über Vorträge, Publikationen und Seminare.


Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne vertrauensvoll an unsere Mitarbeiter.

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Verein zur Hilfe und Unterstützung von Opfern sexuellen Missbrauchs und Gewalt e.V., "El Faro"

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