Keiner mag mich?! Aber mag ich mich denn, sowie ich bin?


Keiner mag mich!

Aber mag ich mich denn, so wie ich bin? 

Wie oft hört man andere Leute sagen, dass sie keiner mag?

Wie oft beschwert man sich selbst darüber, dass einen niemand mag? Wahrscheinlich öfter, als einem lieb ist.

Da stellen sich doch drei Fragen:

1. Wieso interessiert es mich überhaupt, ob andere mich mögen oder nicht?

2. Mag ich mich denn überhaupt so, wie ich bin? und

3. Mache ich selbst es anderen eventuell durch mein eigenes Verhalten schwer, mich zu mögen?

Frage eins würde man eventuell noch beantworten können und darüber leicht zu philosophieren beginnen: Na ja, es ist ja nun mal wichtig, gemocht zu werden. Immerhin sind wir ja soziale Wesen und können nicht ohne andere Menschen. Außerdem ist die Meinung der anderen ja auch wichtig. Wenn sich niemand für die Meinung anderer mehr interessiert, dann sind wir ja alle nur noch Egoisten, das geht ja auch nicht… usw. usw.

Stimmt! Wir sind soziale Wesen und brauchen Kontakt zu anderen Menschen. Aber ist das wirklich die Antwort auf die Frage?

Die Frage meint doch vielmehr: Wieso bin ich so abhängig von der Meinung anderer Menschen über mich selbst, dass es mich so stark runterzieht und beeinflusst, nur wenn mich jemand nicht mag?  

Und die Antwort auf diese Frage beantwortet Frage Nummer zwei gleich mit: Entweder weil ich mich selbst nicht mag oder weil ich die Meinung anderer als wichtiger erachte als meine eigene! Aber nichts und niemand ist wichtiger als die eigene Meinung von einem selbst. Ich bin der Mensch, der 24 Stunden am Tag mit mir zusammen ist, ich bin der oder die einzige, die mich mögen muss. Da dies weitaus einfacher gesagt als getan ist, braucht es etwas Übung, diesen Satz auch zu integrieren. 

Fangen Sie einfach an: Stellen Sie sich vor einen Spiegel und schauen sich an. Mögen Sie sich?

Gucken Sie sich tief in die Augen und versuchen Sie, Kontakt zu sich aufzunehmen. Fangen Sie an, sich zu sagen, dass Sie sich mögen. „Ich mag mich, genauso, wie ich bin. Es gibt vielleicht noch einiges, was ich an mir ändern möchte, ich bin nicht perfekt. Aber ich mag mich, so wie ich bin. Und niemand hat das Recht, mir etwas anderes einzureden. Es spielt keine Rolle, ob andere mich mögen oder nicht, weil ich jeden Tag mein Bestes gebe, egal, ob andere es sehen oder nicht.

Ich mag mich, mit all meinen Fehlern, mit allen Ecken und Kanten und mit alldem, was schön an mir ist. Auch wenn andere das Schöne in mir nicht sehen können, auch wenn ich selbst das Schöne in mir nicht finden kann, es ist dennoch da und ich fange jetzt an, alles Schöne in mir wiederzufinden. Ich habe mich von ganzem Herzen gern.“



So oder so ähnlich könnte es sich anhören, wenn Sie zu sich selbst und Ihrer Seele sprechen. Und auch, wenn Ihre eigenen Worte Ihr Herz noch nicht erreichen, machen Sie einfach weiter. Manchmal dauert es einfach seine Zeit, bis die eigenen Worte auch das Herz erreichen. Und immerhin gibt es ja bestimmt auch einen Grund dafür, warum wir so weit von uns weg sind, dass uns die Meinung anderer über uns selbst wichtiger ist als unsere eigene. Als kleine Kinder haben wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht, wir waren einfach wie wir waren und das war gut so. Dann ist etwas passiert, dass wir uns selbst nicht mehr so mochten, nur noch die Fehler an uns gesehen haben, uns in Frage gestellt haben und bei Vergleichen mit anderen Menschen generell schlechter abgeschnitten haben. Vielleicht durch die Erziehung unserer Eltern, vielleicht durch etwas Anderes. Aber wenn in unserem Leben etwas passiert ist, dass uns von unserer Liebe für uns selbst weggebracht hat, dann können wir auch dafür sorgen, dass wir wieder auf den richtigen Weg kommen, den Weg zu uns selbst, unabhängig von Vergleichen mit anderen und unabhängig von irgendwelchen Werten oder Erfolgen, die wir erstmal vorzeigen müssen, bevor wir das Recht haben, uns als etwas Besonderes zu sehen. Es dauert einfach nur etwas, bis wir dieses Wissen wieder integriert haben, aber es ist dennoch immer noch da. 

Nehmen Sie sich selbst in den Arm und streichen sich liebevoll über den Kopf, so, als würden Sie Ihre Haare nach hinten streichen wollen, dann über die Schultern und Arme und über die Beine. So können Sie Kontakt zu sich aufnehmen und sich selbst gute Gefühle geben und Energie! 

Wann man anfängt, sich mit sich selbst wieder aufzufüllen, mit seiner eigenen Zuneigung, seiner eigenen Energie, dann wird man mit der Zeit immer weniger davon abhängig, dass andere einen auffüllen mit Zuneigung und Liebe und demzufolge spielt es dann keine Rolle mehr, ob andere einen mögen. Natürlich können einen Zurückweisungen oder Anfeindungen noch verletzen, aber das Loch, in das man dadurch fällt, wird mit der Zeit immer kleiner und flacher und man schafft es schneller, sich wieder da heraus zu holen, bis es letztendlich nur noch eine kleine Delle im Boden ist, über die man rüberspringt. 

Ich erinnere mich, dass sich bei mir einmal die Mutter eines Exfreundes von mir darüber beschwerte, dass ihr Mann ihr nie Blumen mitbringt. Sie würde ständig bei den Nachbarn sehen, dass die Männer ihren Frauen Blumen mitbringen und das würde sie so sehr verletzen. Sie war wirklich deprimiert und es war ein Riesenthema. Ich war damals vielleicht 16 Jahre alt und meinte nur: “Wieso kaufen Sie sich die Blumen nicht einfach selbst?“ Am Liebsten hätte ich auch noch gesagt: „Kaufen Sie doch einfach Blumen für Ihren Mann. Vielleicht muss nur jemand damit anfangen und er kommt einfach nicht von alleine auf diese Idee.“ Aber das hatte ich mich da nicht getraut zu sagen.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass ich ja die Hintergründe der Ehe nicht gekannt habe, dass eine Ehe noch mal eine Sondersituation sei usw. Ja, mag sein. Aber meine Aussage von damals ist dennoch zutreffend, denke ich, auch ohne die weiteren Hintergründe zu kennen. Weil es darum geht, sich unabhängig von der Zuneigung, den Geschenken etc. anderer zu machen.

Nicht um als Eremit und Egoist durch die Lande zu reisen, sondern einfach, um weder von anderen abhängig zu sein, noch andere in die unangenehme Lage zu bringen, für das eigene Glück verantwortlich zu sein. Und am Ende auch, um über den eigenen Wert für mich, den der anderen besser zu sehen.

Und was die dritte Frage betrifft: Verhalte ich mich so, dass andere mich gar nicht mögen können?

Diese Frage kann zutreffend sein oder auch nicht, das muss jeder selbst für sich entscheiden. Aber oft sind wir ja so verletzt worden, dass wir lieber im Vorfeld selbst dafür sorgen, dass man uns nicht mag, als dass wir es riskieren, unser Herz zu öffnen, nur um dann wieder verletzt zu werden. Also lieber vorsorglich zubeißen. Nur leider bewirkt es genau das: dass man eventuell nicht gemocht wird, obwohl man sich ganz tief drinnen doch wünscht, gemocht zu werden. 

Aber auch hier hilft es, sich selbst all das Gute zu tun, was man sich von seinem Gegenüber wünscht! Sich selbst gute Gefühle geben, sich selbst Blumen kaufen, sich den Cappuccino gönnen, für den man oft zu geizig ist, stolz auf sich zu sein, auf das, was man geschafft hat, Verständnis für sich haben, wenn man etwas noch nicht geschafft hat, sich selbst in den Arm nehmen und sich im Spiegel all das sagen, was man gerne von anderen hören würde, so lange, bis man sich wieder etwas mehr für sich selbst öffnen kann.

Und eine ganz einfache Aufgabe, die man sich selbst stellen kann, ist: „Ich rede mit anderen Menschen genauso, wie ich mir von anderen Menschen wünsche, dass sie mit mir reden.“ Das bedeutet: wenn ich selbst nicht angeschrien werden möchte, dann tue ich das bei anderen auch nicht. Wenn ich selbst es mir wünsche, dass man mich liebevoll, geduldig und konstruktiv kritisiert, anstatt mir mit dem verbalen Hammer eins überzubraten, dann bin ich selbst auch liebevoll, geduldig und konstruktiv mit anderen. Wenn ich selbst nicht herablassend behandelt werden möchte, dann bin ich auch nicht herablassend zu anderen.


Und auch wenn Sie feststellen sollten, dass Sie vielleicht zu hart oder ungerecht zu anderen waren (oder auch zu sich selbst!) und jemand Sie deshalb nicht mochte (oder Sie selbst sich deswegen nicht mehr mögen): Nichts ist in Stein gemeißelt und es ist nie zu spät, sich zu entschuldigen oder sich zu ändern. Weder bei Anderen noch bei sich selbst!

Das Wichtigste ist, dass Sie anfangen, sich so zu sehen, wie Sie wirklich sind: ein ganz besonderer und wertvoller Mensch. 



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