Das schwarze Schaf

Brandmal und Kreuz oder Privileg?

Wie Betroffene aus der Familie ausgestoßen und verantwortlich gemacht werden, die die TäterInnen schützt und sich selbst heroisiert.



Das schwarze Schaf der Familie, ist der Mensch, der den Mut, die Kraft und die innere Durchsetzung hat, sich der Wahrheit und der Realität der dunklen "Familiengeheimnisse" zu stellen, sie anzunehmen und sie sogar auszusprechen - mit dem Preis auf immer verdammt und allein zu sein oder sich erneut zu beugen, zu schweigen und sich den Bedingungen der weiterfortgeführten Demütigungen, der Qual und der Gewalt zu ergeben und unter Umständen nie wieder die Aussicht auf ein eigenes, freies Leben zu haben.

Eine grausame Vorstellung und Gefühlswelt, die aus einem Horrorfilm entstammen könnte, aber eine, die leider oft der bitteren Realität entspricht und Betroffene, die durch die eigenen Eltern den Seelentod in sich tragen und nur noch wenige bis gar keine Gefühle mehr zu sich selbst zulassen können und innerlich erstarrt durch ihr Leben gehen, in sich tragen.

Die Ausgrenzung aus der Familie, beinhaltet die Schuldzuweisung auf das Opfer, es sei für das Auseinanderbrechen der Familie verantwortlich und trage die alleinige Schuld für das Leid der Angehörigen. Unterschiedlichste psychische, physische, bis hin zu sexuellen Bestrafungen und Demütigungen auch durch Ignoranz, Verleumdung und Einmischung in das Leben, des mittlerweile erwachsen gewordenen Kindes, werden als Druckmittel genutzt. Der eigene Ruf wird im gemeinschaftlichen sozialen Umfeld hochgehalten, das Opfer denunziert und diskreditiert.

Die Wunden, die die TäterInnen ihrem Kind ihm von klein auf an geschlagen haben, indem sie das eigene Kind nicht gefördert, sondern zerstört und gebrochen haben, es zur Aufgabe und zum Mitmachen gezwungen haben, werden weiterhin genutzt, um den erwachsenen Menschen bewusst im inneren Kind, dem traumatischen Anteil zu treffen.

Ein Zugang, den ganz besonders Eltern nutzen und diesen, durch die Verdrängung, besser als man selbst kennen, bis zum Zeitpunkt der Aufarbeitung und des Durchbrechen des Traumas. Denn nun besteht in dem Aufbrechen des jahre- und jahrzehntelang verdrängtem Schmerz, der seelischen Blind- und Taubheit die Chance, endlich klar zu sehen und zu erkennen, wie Manipulationen, Konditionierungen und Gewalt zu der Schuldumkehr führen konnte und die Bewusstwerdung, dass man heute ein längst erwachsen gewordener Mensch geworden ist und unabhängig und frei handeln kann. Es ist also unglaublich wichtig sich hier aus dem von den TäterInnen geschlagenen Defizit und der auf schändlichste Weise erzeugten Sehnsucht nach einer Familie, die nie eine war, durch Bewusstwerdung der Realität und der Arbeit diese in sich zu verinnerlichen, zu lösen.

Natürlich bleibt man das biologische Kind dieser Menschen, aber als nun erwachsener, freier, selbstdenkender und handelnder Mensch steht niemand mehr über einem!

TäterInnen, und auch Trittbrettfahrer, nutzen einzig und allein, den Zugang über das innere Kind und legen sich niemals mit dem Erwachsenen in uns an. Das heißt sie sind nur so stark, wie unsere Schwächen sind, die sie selbst geschlagen haben. Durch die Bewusstwerdung des Traumas, dem Erkennen, wie es wirklich war, haben wir die Möglichkeit diese schützen zu lernen, so dass niemand mehr Zugriff auf unsere Achillesfersen aus dem Trauma hat. Niemand steht mehr über uns und wir müssen uns niemals mehr von irgend jemandem, außer uns selbst, dominieren lassen. Es ist also kein Kreuz das schwarze Schaf zu sein, sondern ein Privileg, da wir diejenigen sind, die die Stärke beweisen, uns den Abgründen der menschlichen Seele der TäterInnen zu stellen, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Ein schmerzhafter, aber uns stärkender Weg.

Eine Stärke, die eben diejenigen, die sich unserem traumatisierten Kind als Übermacht präsentieren, nie besessen haben und ganz im Gegenteil die schwächsten Menschen auf der Welt sind, da sie Angst vor ihren eigenen inneren Dämonen haben, ihre Schwächen nie aufgearbeitet haben und ihr Drama an uns, ihre Kinder weitergeben haben, da sich sich niemals gewagt hätten sich mit einem erwachsenen Menschen auf Augenhöhe oder ihren TäterInnen anzulegen. Zu solch einer Familie will kein Kind auf der Welt gehören.

Nach jahrelanger Aufarbeitung würde ich heute sogar soweit gehen, dass es niemals das eigene, innere Kind sein kann, welches auf diese fatale und lebensgefährliche Weise als Erwachsener noch an denen festhält, die sich selbst das Prädikat "Familie" geben und sexualisierte Gewalt oder emotionalen Missbrauch, vor allem sich selbst gegenüber, als "Liebe" verkaufen.

Was man liebt, zerstört man nicht!

Es ist die von TäterInnen Seite von klein auf an und unter Anwendung von Gewalt erzeugte Konditionierung, die diesen sogenannten Täter-Opfer-Konflikt nutzt, um einen Menschen unter Umständen sein Leben lang von seinen Eltern, der Familie, abhängig und hörig zu halten, damit TäterInnen ein lebenslanges Gefühlsventil für ihr perverses Seelenleben haben. Dies hat nichts mit Familie zu tun, auch wenn die Illusion im Außen so reizvoll und noch so perfekt erscheint. Daher:

Auf Ihr schwarzen Schafe, lasst Euch nicht in die Irre treiben. Holt Euch Eure Wahrheit, Eure Sprache, Eure Stimme und Euer Leben zurück. Seid stolz ein schwarzes Schaf zu sein, denn Ihr habt es geschafft den Teufelskreis zu durchbrechen und die schlimmsten Zeiten Eurer Kindheit und Jungend zu überleben. Ihr habt trotz allem weitergemacht, gelebt, gehofft und nie wirklich aufgegeben, auch wenn es oft so schien oder der Wunsch nach dem Tod sogar da war. Es war die dunkle und hoffnungslose Zeit von einst, die heute, vor allem in dem Zusammenhalt und der zunehmenden Enttabuisierung unter Betroffenen, vorbei ist.

Wir alle haben eine Aufgabe im Leben und viele schwarze Schafe sind schon laut und sichtbar - für all die, die es noch nicht können und für die die Hoffnung nach Freiheit und Zuversicht wichtig ist. Nichts muss so bleiben wie es war und jeder Tag zählt. Es ist an der Zeit, dass sich die Dinge wandeln, denn nicht wir sind schuldig, lügen, sind psychisch krank oder gehören an den Rand der Gesellschaft, sondern die Täter und Täterinnen, die nur so stark sind, wie sie uns glauben lassen wollen, wie schwach wir sind. Wir sind jedoch keine Kinder mehr und haben Übermenschliches geleistet, um uns heute Überlebende und sogar Lebende zu nennen. Es gibt keine stärkeren Menschen als uns. #zusammenstark #niemalsmehrallein #wirsindviele #mittendrin



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