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Was hat unsere Sexualität mit Genuss zu tun?

Wenn Sexualität als die stärkste Kraft aus der Leben entsteht und aus der wir unser Leben gestalten traumatisch erlebt wurde und wie dies sich auf unsere Grundbedürfnisse und unser Leben auswirken kann.




Anschließend an den letzten Beitrag zum Thema Orgasmus und wie er durch sexuellen Missbrauch und Gewalt blockiert wird, möchten wir uns heute dem genaueren Zusammenhang zum Genuss und zur Lebensfreude widmen. Eine Spätfolge unter der die meisten Betroffenen leiden und unter der sich extreme Verhaltensmuster entwickeln können. Dazu gehören unter anderem Essstörungen jeglicher Art, Reduzierung auf bestimmte Lebensmittel und damit Ernährungsstörungen, Magen- und Darmprobleme, Depression, Aggressionsstörungen, seelische Taubheit, Fehlidentifikation, Beeinträchtigung bis zur Pervertierung des Sexuallebens und der sich daraus ergebenen Kompensationsmechanismen, die sich in Form von Süchten und anderen autoaggressiven Verhaltensweisen und Erkrankungen zeigen können. Nach Sigmund Freud gibt es drei Lustzentren: das Orale, das Anale und das Genitale. In all diesen Bereichen finden überlebenswichtige Prozesse statt. Es sind Triebe die mit Hormonausschüttung gekoppelt sind, die wir nicht wirklich unterdrücken können, denn wir müssen Essen, Trinken, Ausscheiden und wir brauchen die Sexualität, um uns fortzupflanzen und unsere Art zu erhalten. Sexualität ist die stärkste Kraft, die wir als Menschen in uns tragen, da wir mit ihr ein neues Leben entstehen lassen können und uns im Leben durchsetzen und unser Leben gestalten - es ist unser Überlebenstrieb in dem auch unsere Begeisterungsfähigkeit, die Neugierde, Hoffnung und Zuversicht für Krisenzeiten, aber auch für die alltäglichen Herausforderungen im Leben liegt. Nun möchte nicht jeder Kinder und man könnte mit dem Trauma sexualisierte Gewalt sagen: "Ich brauche keine Sexualität." Doch wird der Mensch hier merken, dass dies ein Trugschluss ist und er bei der Ablehnung der eigenen, sich natürlicher Weise immer wieder aufbauenden Energie in ihm, einen Kompensationsmechnismus zur Unterdrückung entwickelt. Sei es in beispielsweise in Form von Essen, Arbeiten, Hyperaktivität oder auch tiefsten Depressionen, es wird immer eine Form von Raubbau am eigenen Körper nach sich ziehen und proportional zur Zeit werden sich die Symptome intensivieren und der Mensch wird immer unglücklicher und innerlich isoliert.

Die Gefühle werden unterdrückt und zumeist findet auch hier eine zusätzliche Rationalisierung statt, die dem Menschen Stärke vorgaukelt: "Ich brauche keine Gefühle und ich komme in meinem Leben mit wenig oder auch mit wenig Menschen in meinem Umfeld aus." Natürlich kann es auch in eine Übersexualisierung münden, die gleichermaßen schwerwiegende Folgen nach sich ziehen wird, da der Mensch sich ebenso nicht selbstbestimmt, sondern aus dem Trauma heraus und unbewusst verhält. Geben Sie sich doch mal dem Gedankenspiel hin, was es für einen Kraftaufwand bedeutet die Kraft aus der neues Leben entstehen kann, die uns schlimmste Krisenzeiten überleben läßt und ungeahnte Kräfte in uns wecken kann, dauerhaft in sich zu unterdrücken? Wieviel Energie, die wir in unser individuelles Leben stecken könnten, hätten wir zur Verfügung und würden dadurch weniger krank werden, da wir uns selbstbestimmt leben könnten? Jeder Mensch braucht Lebensfreude und Lebensbejahung und damit den Genuss des Lebens, um schwere Zeiten überstehen zu können, Hoffnung und Zuversicht in sich zu spüren, auch wenn es mal ganz düstere Zeiten gibt. Das Leben ist ein stetiges Auf und Ab und dieses Gefühl der Bewegung, der permanenten Veränderung, die ein traumatisierter Mensch als bedrohlich empfindet, da er sie nicht kontrollieren kann, macht Angst und zeigt ihm den Schmerz aufgrund des Traumas, sich nicht auf Veränderungen und auch andere Menschen einstellen zu können. Die Verschlossenheit und die Mauer, die er aufgrund seiner schrecklichen Erfahrungen um sich aufgebaut hat, läßt es nicht zu sich zu zeigen, sich locker und leicht zu fühlen und ein Grundvertrauen in sich und das Leben zu spüren - in das Bewusstsein heute erwachsen zu sein und neu entscheiden zu können. Die Haltung: "Ich freue mich mal nicht zu früh, denn der schöne Moment kann mir auch jederzeit kaputt gemacht werden." oder "Wer weiß wie lange der Mensch noch in meinem Leben ist, wenn er erstmal merkt wo meine Macken liegen." oder "Ich werde es nicht schaffen, da ich es noch nie geschafft habe." sind einige von unendlich vielen Sätzen, die ein Betroffener in sich trägt und die dafür sorgen, dass er mit angezogener Handbremse durch sein Leben fährt. Nicht zu vergessen natürlich, dass durch Sexualität und Aggression die tiefsten Wunden geschlagen wurden und dies den größten Schmerz, Todesängste und damit Dissoziation bedeutete und gegebenenfalls auch noch eine akute Lebenssituation vorigen kann. Diese Gefühlswelten koppeln sich im Alltag an ähnliche bzw. Situationen, die daran erinnern und mit Einlassen und Zulassen zu tun haben. Ein Los- und Zulassen ist nicht möglich aus Angst erneut verletzt zu werden. Das Vertrauen in sich eine erneute Verletzung, selbst die kleinste, ertragen und aushalten zu können und dass das Leben trotzdem weiter geht - und vielleicht sogar besser weitergeht - ist nicht vorstellbar. Dieses Lebensgefühl, wozu selbstverständlich die Öffnung für unsere Gefühle nötig ist, denn diese erlauben uns dann das Essen zu genießen und wirklich zu schmecken, unsere Bedürfnisse zu spüren und Gerüche wahrzunehmen und mit all unseren Sinnen zu leben, läßt uns unser individuelles Leben gestalten. Es läßt uns unsere Träume und Ziele erreichen und es ebnet uns den Weg dahin, sollte es noch Zukunftsmusik sein. Dieses Lebensgefühl erschafft uns in unserer individuellen und so wertvollen Wahrnehmung, unseren Instinkten und unserer Kreativität und Vielfalt. Angelehnt an Freud ist es ein Teil unserer Sexualität mit der wir, wie oben gesagt, entweder neues Leben erschaffen können und / oder unser Leben gestalten und jeden Tag aufbauen und es läßt uns Krisen überstehen und uns weiterentwickeln. Dies sind die großen Herausforderungen und die kleine Herausforderungen im Zulassen der Lebensfreuden im Alltag wenn man einen geliebten Menschen sieht, den Kakao schmeckt oder sich darüber bewusst wird wie außergewöhnlich man selbst ist, wenn man dieses Trauma der sexualisierten Gewalt, im schlimmsten Fall sogar innerhalb der eigenen Familie, überlebt hat.

In den meisten Fällen sind die Lustzentren, bei denen der Körper auch entsprechende Hormone ausschüttet, damit wir zu der Entspannung und der Erleichterung kommen, um unser Überleben zu sichern, traumatisch bedingt taub. Diese Taubheit sorgt oft für zwei Extreme, um hier überhaupt einen Zugang zu den Bereichen zu haben, nämlich in das Zuviel oder in das Zuwenig. So leben Betroffene auf eine Weise in der Reinszenierung der extremen Gefühlsexplosion, wie sie es zum Zeitpunkt des Erlebens durchmachen mussten, aber nicht innerlich zulassen konnten. Dies ist solange der Fall, bis der Mensch sich wieder für sich öffnet und seine Wahrnehmung zulassen und sie ausbauen kann. Die Lösung liegt natürlich in der Entkopplung der alten, verdrängten Gefühle zu der gegenwärtigen Situation in der man sich heute als erwachsener Mensch befindet und man mit Hilfe lernen kann, diese damals nicht aushaltbaren Gefühle ins Bewusstsein zu holen, um einerseits zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu differenzieren und andererseits um neue Erfahrungen möglich werden zu lassen. Wie geht es Ihnen damit? Wieviel Genuss erlauben Sie sich und wieviel können Sie davon innerlich wirklich zulassen? Schreiben Sie uns gerne in die Kommentarfunktion.

Verein zur Hilfe und Unterstützung von Opfern sexuellen Missbrauchs & Gewalt, "El Faro", e.V.

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