Familiäre sexualisierte Gewalt hat viele und zutiefst erschütternde Gesichter - Zitate von Opfern






Familiäre sexualisierte Gewalt hat viele und zutiefst erschütternde Gesichter. Die eigenen Eltern zu hassen liegt uns als Menschen von Natur aus nicht im Blut und durch die entsetzlich pervertierte Ausnutzung der Eltern als SexualstrafttäterInnen an ihrem eigenen Kind, werden natürliche Abhängigkeiten nicht nur ausgenutzt, sondern auf fatale Weise tief in unser Unterbewusstsein eingestanzt. Ebenso der instinktive Schutzmechanismus der Familie und die Prägung auf die Eltern, als Vorbild, Schutzraum und Nest, welches als Matrize für das Frauen-, Männerbild und somit das soziale Umfeld dient, bestimmen uns in unserem Sein als Mensch. Diese auf so massive Weise fehlgeleiteten Mechanismen wieder umzukehren, umzulenken und zu aller erst zu verstehen, um die Schuld und die Verantwortung dafür an die Menschen innerlich zurückzugeben, die uns liebevoll umsorgen, aufbauen und in unserer individuellen Entwicklung hätten fördern sollten, ist oft ein jahrelanger oder sogar lebenslanger Prozess. So vielschichtig und perfide sind die Täterintrojektionen, mit denen wir uns oft zwangsläufig identifiziert haben, in uns verwoben. Dieses Verstehen und Herausarbeiten zeigt bei vielen Betroffenen oft den Schock und die Empörung darüber, wie dies möglich sein konnte, wähnten sie sich doch oft selbst in dem Glauben alles andere, aber nicht so wie ihre sie auf grausame Weise demütigenden und sie vergewaltigenden Eltern zu sein und ihr Leben im Griff zu haben.

Durch das gewaltvolle Niederreißen der natürlichen Schutz-und Abwehrmechanismen, die uns körperlich, geistig und seelisch zur Verfügung stehen, sind wir zum Zeitpunkt der Tat, neben der natürlichen Öffnung für unsere Eltern, seelisch nackt. Auf diese Weise überträgt der TäterIn die eigene pervertierte Gefühlswelt, den Lebensfrust und das eigene, unverarbeitete Lebensdrama, um sich über uns zu "erleichtern" und den eigenen Druck abzubauen. Es geht natürlich um Macht, aber die hat ein Elternteil ohnehin schon über sein Kind. Der Aspekt, dass ein TäterIn sich quasi über sein Opfer "therapiert" wird häufig ausser Acht gelassen. Erklärt er jedoch schlüssig, warum TäterInnen aus dem familiären Kontext ihre Kinder, selbst im Erwachsenalter nicht in Frieden lassen können, da sie am Ende abhängig von ihrem Opfer sind. Ein weiterer Grund nicht vom Opfer abzulassen, ist selbstverständlich die Angst um strafrechtliche Verfolgung und damit die Sorge, was geschieht, wenn ihr Opfer erstarkt. Für Betroffene ist diese Motivation erst dann sichtbar, wenn sie ihre Verdrängung, die nach dem Erleben ein Schutzschild insbesondere für die TäterInnen ist, mehr und mehr abbauen und damit die Realität erkennen können. Vor dieser Zeit verirren sich viele Betroffene immer wieder in dem inneren Gefühlslabyrinth des Missbrauchs und Inzestes und leiden unter dem krankmachenden Konflikt sich öffnen zu wollen und gleichzeitig nicht zu können. Die Blockaden und Verbote erscheinen undurchdringlich, werden oft als eigenes Unvermögen interpretiert und katapultieren die Menschen in die nächste unendliche, täterangelegte, quälende Gefühlsschleife der Selbstzerstörung.

Sexualisierte Gewalt durch die eigenen Eltern hat viele Gesichter und findet nicht nur mit physischer Gewalt statt. Sie hat auch "liebevolle" Anteile und die emotionale Gewalt mit ihrer Manipulation hat eine schwerwiegende Komponente und damit entscheidendes Gewicht. Die körperliche Gewalt ist entsetzlich, aber in vielen Fällen abgeheilt und nicht oft mehr sichtbar. Der schwerste Akt ist die Aufdeckung der Lebenslüge über die Gefühle und die Korrektur, durch das Schwimmen gegen den natürlichen Strom: das Gefühl des Hasses und der Wut auf die eigenen Eltern. Genau hier liegt die Aggression verborgen, die jeder Mensch in seinem Leben benötigt, um sich auf gesunde Weise abzugrenzen, durchzusetzen, sein eigenes, individuelles Leben zu verwirklichen und Abwehr- und Selbstverteidigung wieder möglich zu machen. Der Hass, der nichts anderes meint, als ein inneres Schutzschild aufzubauen, welches uns vor erneuter Verdrängung, Abschalten und damit dem Schutz der TäterInnen, schützt. Er ist der Garant dafür, dass wir selbst im Fall eines erneuten Übergriffs bei dem uns zerstörerische Aggression gekoppelt mit Sexualität entgegengebracht wird, stand halten können.

Ein Gefühl, welches niemand will, aber jedes Kind von einst tief in sich spürt und welches mit unendlichem Schmerz gekoppelt ist.

Immer wieder kommen an dieser Stelle Sehnsüchte nach der verloren gegangenen Familie auf und die Gefahr ist sehr groß, aus diesem Wunsch, dem Gefühl der irrtümlichen Überlegenheit und des vielleicht auch zeitlichen Abstandes den Kontakt beizubehalten oder auch wieder aufzunehmen, wenn der Kontaktabbruch bereits da war. Oft sind es auch Geschwister oder andere nahestehende Familienmitglieder, die einen zum "Verdrängen" animieren, schließlich ist es doch lange her und vorbei. Ein unglaubliches Gefühlschaos entsteht in dem betroffenen Menschen und eine tiefe Entscheidung ist unumgänglich. Der Ruf des schwarzen Schafes innerhalb der "Familie" ist einem inne und der emotionale Missbrauch fällt erneut auf die tiefsitzenden, aus den Vergewaltigungen und sexuellen Demütigungen, rührenden Schuld- und Schamgefühle. Ein Teufelskreis, dem nur zu entkommen ist, wenn man bereit ist sich für sich zu entscheiden und selbst loszulassen. Es ist mit Seelenvampirismus zu vergleichen, denn diese Menschen werden einen so lange sie leben nicht wirklich in Ruhe lassen, sind nicht klare Grenzen gesetzt. Auf scheinbar unscheinbare und ungefährliche Weise wird dem Betroffenen das Gefühl gegeben, dass es die von dem Betroffenen geäußerten Vorwürfe, Ängste oder sogar Übergriffe nicht gegeben hat oder gibt.

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